Dr. Reinhold Bauer, Technik- und Wirtschaftshistoriker, versucht auf Basis einer Geschichte gescheiterter Innovationen eine Typologie des Scheiterns zu entwickeln.

Von der Unterdruck-Eisenbahn haben Sie nie gehört? Hydrobergbau ist Ihnen ebenso wenig ein Begriff wie die Kohlenstaub-Lokomotive? Selbst beim "Itera"-Plastikfahrrad oder beim Elektropflug glimmt kein Erinnerungsfunken auf? Kein Grund zur Sorge: Fast niemand erinnert sich mehr an diese Dinge, es sind "Gescheiterte Innovationen", deren Existenz über kurz oder lang von der Welt vergessen wurde. In Erinnerung sind bestenfalls die angesichts verlorener Subventionsmillionen spektakuläreren oder aktuelleren Fälle, etwa das in den 1980er Jahren aufsehenerregende Riesenwindrad "Growian" oder der erst jüngst gescheiterte Frachtzeppelin "Cargolifter".

Gemeinsam ist diesen Vorhaben, dass es sich keinesfalls um völlig phantastische Projekte handelt, deren Misserfolg gleichsam vorprogrammiert war. Nicht von raketengetriebenen Erdsehnenbahnen, rollenden Bürgersteigen, Mittelmeerdämmen oder vom „Perpetuum Mobile“ ist hier die Rede. Nein, gescheiterte Innovationen sind Erfindungen, die grundsätzlich funktionierten und im Vergleich zur existierenden Technologie Vorteile boten, die sich aber dennoch nicht haben durchsetzen können. Ein notwendiges Merkmal der gescheiterten Innovation ist, dass sie es bis in die Wirklichkeit geschafft hat, ein zweites, dass sie diese wieder verlassen hat, ohne das investierte Kapital hereinzuspielen.

Dienstag, 7. November 2006, 20 Uhr